Elischa

männlicher Vorname
Bedeutung / Herkunft

biblischer, jüdischer Name
Nachfolger des Propheten Elias
Bedeutung: "Gott hat geholfen"
(Beitrag von Victoria Mentzel)

Der Prophet Elischa
Der geräuschvolle Sieg auf dem Karmel (1 Kön 18 und 19) genügt nicht, um das Einsickern des Götzendienstes in Israel an der Wurzel zu zerstören. Dies beweist die Erfahrung, die der Prophet Elija bald nachher macht: er ist gezwungen zu fliehen, weil er Königin Isebels Rache fürchtet, nachdem er alle Baalspropheten hat umbringen lassen. Nun muss er aus eigener Erfahrung lernen, dass es in der Nachfolge des Herrn nicht nur Augenblicke der Begeisterung und des Sieges gibt, sondern dass dieser Weg auch durch Unsicherheit, Demütigung, Misserfolg, Verfolgung und seelische Konflikte führt (vgl. 1 Kön 19). Dies beweisen auch andere biblische Texte, die berichten, dass nicht nur der Baalskult nicht ausgerottet ist, sondern dass er sich sogar im Gebiet von Juda ausbreitet und wieder aufblüht, nämlich im Südreich, und zwar auf Betreiben Ataljas, der Tochter des Ahab und Gemahlin Jorams (vgl. 1 Kön 22,52-54; 2 Kön 3,1-3; 10,16-18).
Die Propheten jedoch hören nicht auf, ihre Stimme zu erheben und inmitten des Gottesvolkes die Notwendigkeit der Treue zum Bund und die Erinnerung an Jahwes unwandelbar treue Liebe lebendig zu erhalten. Dadurch wollen sie das Volk immer wieder zur Umkehr rufen. In den Büchern der Könige wird unter diesen prophetischen Stimmen auf eine andere Gestalt hingewiesen, die Bedeutung erlangt hat, wenn auch nicht in dem Maße wie Elija. Es handelt sich um den Propheten Elischa (bedeutet übersetzt: Gott hilft), um dessen Namen und Taten sich sehr bald ein Zyklus von Erzählungen gebildet hat, ähnlich wie bei Elija. Sie werden im 2. Buch der Könige, (Kap. 2 - 13) berichtet.
Diese Erzählungen um Elischa weisen zwar theologisch gesehen weniger Inhalt auf und sind mehr mit Elementen aus legendären und wundersamen Heiligenleben ausgeschmückt, sie bewahren jedoch den Stil und die prophetische Eigenart des Elija-Zyklus. Von Elischa berichtet schon 1 Kön 19,19-21. Wir erfahren von seiner Berufung durch Elija. In wenigen Versen wird darauf hingewiesen, wie sehr die Nachfolge radikale Bereitschaft und Verfügbarkeit verlangt. Der eigentliche Elischa-Zyklus jedoch beschreibt dann seine Anwesenheit bei der Entrückung des Elija, der ihn zu seinem Nachfolger bestimmt (2 Kön 2,1-18), und eine Reihe von Wundererzählungen des Propheten, die sich - wie die seines Meisters - im Bereich des Königshauses im Nordreich abspielen. Auch in der Topographie der Taten des Elischa wird der Berg Karmel genannt. Allerdings lassen einige Texte vermuten, dass er sich in Samaria niedergelassen hat (vgl. 2 Kön 5,3; 6,18-23). Das in 2 Kön 4,8-37 berichtete Ereignis hingegen nennt ihn "Gottesmann auf dem Karmel" (Vers 25). Eine Frau aus Schunem hat ihr Kind verloren; sie will den Propheten um Hilfe bitten und macht sich auf den Weg in Richtung Karmel. Ihr Mann wendet ein: "Warum gehst du heute zu ihm? Es ist doch nicht Neumond und nicht Sabbat" (Vers 23). Dies lässt uns vermuten, dass sich auf dem Karmel ein Heiligtum befand oder dass es immerhin Brauch war, an Festen oder zu besonderen Anlässen dorthin zu gehen. All dies stimmt vollkommen überein mit den Notizen, die uns die Tradition und die Archäologie im Zusammenhang mit dem Karmel als heiligen, spärlich bewohnten Berg und als Kultort übermitteln. Auch in 2 Kön 2,25 lesen wir: "Von dort ging er zum Berg Karmel und kehrte dann nach Samaria zurück".
Hier auf dem Karmel also hat Elija Feuer vom Himmel herabgerufen, und von hier aus bricht er zusammen mit seinem Nachfolger zur letzten Reise auf, die ihn in die Steppen von Moab führt, wo nochmals Feuer vom Himmel fallen wird, um ihn zu entrücken (2Kön 2,1-18).
Elischas eigenes Wirken beginnt erst mit der wunderbaren Entrückung Elijas in den Himmel, deren Zeuge er wurde. Die Erzählung betont, dass der Geist Gottes von Elija auf Elischa überging, so dass er zu Wundertaten ähnlich denen des Mose(Teilung des Flusses) fähig wurde. Doch während Elija ein einsamer Einzelkämpfer gegen den Baalskult und Synkretismus war, der damals in Israel verbreitet war, erscheint Elischa bereits als Haupt von Prophetenschulen, die offenbar an einigen Jahwe-Heiligtümern wie Bet-El, Gilgal und Jericho existierten.
Elischa und dessen Wirken hinterlässt viele Spuren geschenkten Lebens. Wie in Jericho, wo die Bewohner Probleme mit dem Wasser haben, weil der Genus bei Mensch und Tier zu Unfruchtbarkeit und Todesfällen führt. Die Stadt ist auf eine einzige Quelle angewiesen, die noch heute fließt. Elischa erbittet Salz und schüttet es in das Wasser. Salz reinigt, schützt vor Verwesung und Zerstörung. Die Quelle taugt wieder. Und der Prophet beweist seine Macht.
Elischa ist Sohn eines wohlhabenden Bauern und stammt aus einem Dorf im fruchtbaren Jordantal. Er pflügt mit einem Dutzend Rindern gerade das Land, als der mächtige, in die Jahre gekommene Elija vorüberkommt, seinen Mantel über ihn wirft und ihn damit als Jünger in seine Nachfolge nimmt. Elischa schlachtet Rinder, trennt sich von seinem bisherigen Leben und zieht mit Elija durchs Land.
Er wird der Kopf einer ordensähnlichen Gemeinschaft mit diversen Ablegern (Schulen) und wird zu einer herausragenden religiösen Gestalt Israels in der zweiten Hälfte des neunten Jahrhunderts vor Christus. In diesen Schulen, vermutet die Bibelforschung, sind die Elija- und Elischageschichten gesammelt, zusammengestellt und theologisch gedeutet worden. Obwohl sie keine eigenen Prophetenbücher schrieben, gaben sie den späteren „klassischen“ Propheten Amos, Hosea, Micha und Jesaja bereits wesentliche Elemente ihrer Prophetie vor.
Die meisten Begebenheiten charakterisieren den Propheten als Wundertäter und mitfühlenden Zeitgenossen. Er salbt die künftigen Könige von Syrien und Israel, heilt einen Heerführer von einer lästigen Hautkrankheit, vermehrt auf wundersame Weise das Öl einer Witwe, die mit dem Erlös aus dem Verkauf ihre Schulden begleichen kann. Er sagt einer Frau, die ihn gastfrei beherbergt, die Geburt eines Sohnes voraus, obwohl ihr Mann schon sehr betagt ist, und als der Knabe stirbt, weckt der Prophet ihn wieder auf.
Elischa mischt sich als Kriegsberater und Königsmacher immer wieder in politische und militärische Angelegenheiten ein. Als König Joasch von Israel den todkranken Propheten besucht, sagt der ihm noch voraus, wie der künftige Konflikt mit Syrien verlaufen wird. Als ein Leichenzug sein Grab passiert und von Straßenräubern überfallen wird, werfen die Angehörigen den Toten in Elischas Gruft und bringen sich selbst in Sicherheit. Der Verstorbene berührt die Gebeine des Propheten - und kehrt ins Leben zurück. Eine wunderbare Begebenheit als Symbol dafür, dass Gottes Kraft in Elischa über dessen Tod hinaus wirksam ist.
NT: 14.06.
(Beitrag von Dipl. Theologe Stephan Lütgemeier)

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  • 14. Juni